Stolze Gärtnerinnen!

— von Silke Kievernagel —

Wow-die fleissigen Gärtnerinnen aus dem Veedel freuen sich über die Auszeichnung ihrer Veedelsbienenwiese als „herausragendes Blühwiesenprojekt“.

Das motiviert natürlich die Gärtnerinnen, im nächsten Frühjahr noch viel mehr Bienenwiesen zu säen. Wer ein Stück seines Gartens oder Balkons entbehren kann, ist herzlich eingeladen, mitzumachen und mitzusäen. Saatgut für Bienenwiesen stellen wir.

Ein großer Dank an Melanie Breuer, die einen Teil ihres Gartens zur Verfügung gestellt hat und sich liebevoll um die Veedelsbienenwiese gekümmert hat!

Die Siedlung Wilhelmsruh – sozialer Wohnungsbau im 19. Jahrhundert

Die Arbeitersiedlung "Wilhelmsruh", Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum

Es war eine echte Zeitenwende – und auch Köln sollte Ende des 19. Jahrhunderts in der modernen Zeit ankommen. Für die stark wachsende Zahl der Kölner Bürger wurde dringend Wohnraum benötigt – immerhin verdoppelte sich zwischen 1880 und 1890 die Einwohnerzahl Kölns von etwa 145.000 Menschen auf 282.000 Menschen.

Die enge, mittelalterlich geprägte Stadt musste also wachsen. Aber wie? Die massive Stadtmauer behinderte die Erweiterung der Stadt. Nach langen Verhandlungen mit der preußischen Regierung begann ab 1881 der Abriss der Befestigungen. Und es entstanden die Vororte und die klassischen Arbeitersiedlungen.

Früher wie heute: Knapper Wohnraum – hohe Preise

Wie sich die Zeiten gleichen: Wie auch heute war damals der Wohnraum in der Stadt knapp. Das betraf insbesondere die Menschen mit großen Familien und wenig Geld. Man lebte – nach heutigem Maßstab – viel zu beengt in völlig überfüllten Wohnungen. Bis zu sechs Personen pro Zimmer war die Normalität. In diesem Zimmer wurde gekocht, gegessen, sich gewaschen und geschlafen. Für uns heute undenkbar.

Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird.
Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal, dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird, Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Dies brachte Unternehmer dazu, für ihre Mitarbeiter besseren und preiswerten Wohnraum zu schaffen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die Arbeiter-Kolonie „Wilhelmsruh“ an der Bonner Straße im heutigen Stadtteil Raderberg. Der Name der Siedlung erinnert an den im Jahr des Baubeginns 1888 gestorbenen Kaiser Wilhelm I.

Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer
Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer

Das Kapital für den Bau der Siedlung stammt aus einer Stiftung von Prof. Dr. Gerhard vom Rath, dem Mitinhaber des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“. Dieses Unternehmen betrieb unter anderem Zuckerfabriken am Holzmarkt und in der Machabäerstraße im Kunibertsviertel. Vom Rath stiftete im Jahr 1888 einen großen Teil seines Vermögens zum Bau einer Arbeiter-Kolonie an der Bonner Straße, da seine Erben bereits verstorben waren. Insgesamt handelte es sich bei der Stiftung um 450.000 Mark. Ein stolzer Betrag. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiters lag bei etwa 660 Mark.

Eine schmucke Siedlung - die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full
Eine schmucke Siedlung – die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full

Gebaut wurden zweigeschossige Wohnungszeilen. Das gesamte Wohngebiet wurde mit breiten Wegen großzügig aufgeteilt, jedes Wohngebäude hatte zur Selbstversorgung einen Nutzgarten und Stallungen. In den Häusern aus rötlichen und gelben Ziegeln waren Vierzimmerwohnungen. Ursprünglich wurden auch noch eine Badeanstalt, ein Versammlungssaal, ein Lesezimmer und ein Kaufladen geplant, die allerdings nie realisiert wurden.

Der Grundsatz für die Miete der Wohnungen war, dass der Preis einer Wohnung in der Wilhelmsruh in etwa dem Preis einer Zweizimmerwohnung in der Stadt entsprechen sollte. Allerdings für eine Wohnung, die doppelt so groß war und zusätzlich über einen Keller, einen Speicher, den Garten und Stallungen verfügte.

Trotz dieser Annehmlichkeiten und dem fairen Mietpreis taten sich viele Arbeiter schwer damit, ihre geliebten Veedel, allen voran das Severinsviertel, in dem es alles gab, zu verlassen um „draußen auf das Land“ zu ziehen. Der Weg war tatsächlich weit, es gab zunächst auch keine Anbindung an die Straßenbahn. So wurden Pendelverkehre eingerichtet. Ein Arbeiter der Stollweck-Schokoladenfabrik berichtete „Wäge däm wigge Wäg leeten uns die Stollwercks noh der Arbeit fahre, die eeschte Johre met Päd und Wage, dann m´em Laßwage, wo Bänk drop stundte.“

Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full

Gleiche Herausforderungen wie vor 140 Jahren

Die Arbeiter-Kolonie der Wilhelmsruh war ein positives Beispiel für den sozialen Wohnungsbau. Die lockere, großzügige Bauweise beweist, so der Historiker Josef Rosenzweig „ … dass es auch damals anstatt enger und dunkler Mietskasernen schon helle und schmucke Sozialwohnungen gab“.

Und da Köln heute wieder vor der großen Herausforderung steht, erschwinglichen Wohnraum für alle zu schaffen, sollten sich die Verantwortlichen daran mal ein Beispiel nehmen und sich einfach mal die Wilhelmsruh in Raderberg anschauen.


Die letzte Zuckerfabrik des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“ am Holzmarkt wurde 1912 geschlossen, die Stadt Köln übernahm die Stiftung und auch die Häuser der Wilhelmsruh. Ein Teil der Häuser wurde in den 1980ern zugunsten eines Altenheims abgebrochen, die übrigen Häuser (heute Bonner Straße 304 und 310) wurden saniert.


Dieser Text wurde von der Website des Köln-Lotsen übernommen.

Führung durch das alte Funkhaus in der Hitzeler Straße

Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals gab es in unserem Veedel die Möglichkeit, das alte WERAG-Funkhaus an der Hitzeler Straße zu besichtigen. Andreas Henseler berichtete zur Geschichte des Hauses und zum aktuellen Stand der Arbeiten der Initiative Radiomuseum ins Funkhaus.

Viele Interessierte aus dem Veedel nutzten die Gelegenheit, einen Blick in das sanierungsbedürftige Gebäude zu werfen. Mit etwas Phantasie konnte man auch in diesem Zustand eine Idee davon bekommen, wie das Haus nach der Sanierung in der Nutzung als Museum aussehen könnte.

Es gibt es ein sehenswertes Video und interessante Fotos von dem Tag zu sehen:

 

Eine unbedingt unterstützenswerte Initiative!


Viele weitere Infos zum alten WERAG-Funkhaus finde sich auf der Website der Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“. 

Initiative Radiomuseum ins Funkhaus: Führung durch das Gebäude

Das Funkhaus in Raderthal – Bild: Initiative Radio ins Funkhaus

Liebe Raderberg und -thaler,

die “Initiative Radiomuseum ins Funkhaus” bietet im Rahmen des Tages des offenen Denkmals die Möglichkeit, das Gebäude in der Hitzeler Straße zu besichtigen: Am 07. September ab 11 Uhr führt Andreas Henseler alle Interessierten durch das Gebäude. Eine schöne Gelegenheit, sich das historische Gebäude von innen anzusehen und sich vorzustellen, wie es einmal aussehen könnte.

 

Premiere für unser erstes Veedelsbeet!

Das neue Veedelsbeet auf der Brühler Straße - hoffentlich folgen noch viele, viele mehr.
Das neue Veedelsbeet auf der Brühler Straße – hoffentlich folgen noch viele, viele mehr.

Nicht einmal 36 Grad konnten eine Handvoll Gartenfreundinnen davon abhalten, das erste Veedelsbeet zu bepflanzen, damit es rechtzeitig zum Straßenfest präsentiert werden kann.

Zunächst die große Ernüchterung: nachdem ein Beet zwischen zwei Parklücken auf der Brühler Straße gefunden wurde, war die Erde zu trocken, zu steinig, zu staubig und von den Hundehaufen will ich hier gar nicht erst reden. Säckeweise Blumenerde machten unmögliches möglich: wir konnten tatsächlich pflanzen!

Das Veedelsbeet vor der Arbeit der Gärtnerinnen – ein trockenes Eckchen.

Zum überwiegenden Teil handelte es sich um Pflanzen aus den Gärten der Nachbarschaft, die für die Aktion gespendet wurden. Vielen Dank dafür!

Aufmerksamkeit bereits in der Entstehung

Am schönsten fand ich persönlich, dass unser Veedelsbeet bereits in der Entstehungsphase viel Aufmerksamkeit und Zuspruch erregt hat: Der nette ältere Mann, der uns geholfen hat, Poller von A nach B zu tragen, die vielen vorbeigehenden Leute, die sich positiv über die Pflanzaktion geäußert haben und Gerlis und Tobias, die uns mit Wasser und Kaffee versorgt haben. Jetzt können wir nur hoffen, dass die Pflanzen keine „Füße kriegen“.

Vier fleißige Gärtnerinnen bei der Arbeit.
Vier fleißige Gärtnerinnen bei der Arbeit.

Für alle Beteiligten steht fest, dass diese Pflanzaktion nur der Auftakt für weitere Veedelsbeete ist. Es werden weitere Beete bepflanzt, dann aber lieber bei kühleren Temperaturen.

Das Veedelsbeet findet ihr übrigens auf dem Straßenfest praktischerweise zwischen dem Kuchenstand und der Sektbar (Brühler Str. 88). Mit einem Sekt und einem Stück Kuchen könnt ihr ein wenig in unserer neugeschaffenen kleinen Gartenoase verweilen 😊

Und last but not least ganz, ganz lieben Dank an Melanie, die Schlauch, Hacke, Pflanzen, undundund zur Verfügung gestellt hat und Steffi, die tapfer die Hacke geschwungen hat, während wir anderen schon kapituliert haben.

Habt ihr noch Pflanzen, die ihr spenden möchtet? Wollt ihr selber Veedelsbeete mitgestalten? Dann meldet euch bei uns!

Silke Kievernagel


Kontakt für Pflanzenspenden oder Mithilfe:

Silke Kievernagel
Raderberger Str. 190
50968 Köln
Telefon 0221 / 98863509
e-mail silke.kievernagel@raderbergundthal.de